Geflügelzucht in Bielefeld

Auf einer Monatsversammlung des Brackweder Vereins am 08.02.1902, 6 Tage vor der Grundsteinlegung des Bielefelder Rathauses, referierte der Herr Vorsitzende (Kelle) über die Gründung eines Kreis-Geflügel-Vereins.
Dieser Tagesordnungspunkt in der Niederschrift des Vereins ist der erste Hinweis auf die bevorstehende Gründung des Kreisverbandes. Protokollunterlagen anderer Vereine gibt es aus dieser Zeit nicht mehr, es ist damit auch nicht nachzuweisen, von welchem Mitglied oder Verein die Initiative ausging. Vermutlich bemühte sich zunächst jedoch der Brocker Verein um die Einigung, denn dieser Verein spielte am Anfang die aktivste Rolle.

Rassegeflügel aus der Gründerzeit 1855-1869

Rassegeflügel aus der Gründerzeit 1855-1869

Der Verein für Geflügelzucht und Tierschutz zu Bielefeld pflegte um 1902 seine wichtigen Monatsversammlungen in den Tageszeitungen bekanntzugeben. Einer solchen Anzeige mit Tagesordnungspunkt vom 20.05.1902 entnehmen wir als Tagesordnungspunkt: „3. Kreis-Verbands-Statuten“. Auf der nächsten Monatsversammlung am 18.06.1902 faßte man einen Beschluß zu den Statuten die von einer Kommission entworfen worden waren. Nur 9 Tage später wurden auch im Brackweder Verein die Kreisverbandsstatuten verlesen, beraten und nach ihrer Fassung angenommen.Einem weiteren Zeitungsbericht vom 17.10.1902 zur Folge wurde der Kreisverband dann Ende Juni in Brackwede gegründet. Das könnte am 28./29. oder 30.06. gewesen sein, zu einem Zeitpunkt, da die Ortsvereine die Satzung angenommen hatten. Zwei weitere Zeitungsanzeigen geben Auskunft darüber, daß es fünf Vereine waren, die den Kreisverband begründeten. Dazu gehörten mit Sicherheit die Vereine Brackwede-Brock, Brackwede, Gadderbaum und Bielefeld. Der fünfte Verein kann nach den Recherchen des Chronisten kaum ein anderer gewesen sein als der Geflügelzuchtverein Schildesche, ein Vorläufer des heutigen Schildescher Vereins.

Die erste Kreisschau

Die erste große Kreisverbandsausstellung der Geflügelzuchtvereine im Stadt- und Landkreise Bielefeld fand am 18. und 19. Oktober in den Lokalitäten des Herrn Hermann Brandt im Brock in Brackwede statt. In Anzeigen und Berichten wurde kundgetan, daß vorwiegend die schönsten und besten Tiere der fünf Vereine ausgestellt würden und es eine günstige Gelegenheit wäre, sich gute Tiere zu beschaffen. Auch für die Geflügelzucht im Allgemeinen wurde geworben. Besonders die Landwirte sollten sich der Geflügelzucht mehr zuwenden als bisher, denn unstreitbar wirft die Geflügelzucht, wenn sie rationell betrieben wird, einen schönen Nutzen ab.

von links: Italiener, gesperbert, deutsche Landhühner, goldfarbig, Italiener, weiß; oben: Krüper, rosenkämmig; W. Hoffmann, 1896; Archiv Detering

von links: Italiener, gesperbert, deutsche Landhühner, goldfarbig, Italiener, weiß; oben: Krüper, rosenkämmig; W. Hoffmann, 1896; Archiv Detering

Belastungsproben

Schon am 08.10.1905, nach Abhaltung eines Verbandstages in Gadderbaum, wurde eine Generalversammlung in Gadderbaum durchgeführt, zu der „ein Antrag auf Aufhebung des Kreisverbandes“ vorlag. Einzelheiten darüber vermerkt das Protokoll leider nicht; jedoch heißt es in den Direktiven der Brackweder Versammlung an ihre Delegierten „…selbigen ist zur Pflicht gemacht, für die Aufhebung des Kreisverbandes zu stimmen.“ Der Chronist konnte nicht herausfinden, ob es zu dieser Aufhebung kam. Die Protokolle des Brackweder Vereins begannen um diese Zeit unregelmäßig und wenig aussagekräftig zu werden, und die Protokollbücher anderer Vereine sagen dazu auch nichts aus. Erst im Jahre 1912 ist über eine Kreisverbandsversammlung im Sudbracker Protokollbuch zu lesen, daß versucht werden sollte, den Stadtkreis vom Landkreis zu trennen. Das läßt darauf schließen, daß der Verband 1905 wohl nicht aufgelöst wurde. Auch 1912 geschah das nicht; zumindest berichtet kein Protokollbuch etwas darüber.

Trennung

Im Jahre 1916 ist das Thema dann wieder aktuell. In einem Protokoll vom 30.07. heißt es in Sieker wörtlich: „Die Vereine des Landkreises haben beschlossen, sich von den Vereinen des Stadtkreises, den sich auch unser Verein angeschlossen hat, zu trennen. Für die Trennung werden Gründe angeführt, welche keinesfalls stichhaltig sind.“

Wiedervereinigung

Im Jahre 1919 mußte die Trennung noch bestanden haben. Nach Protokollauszeichnungen des Sudbracker Vereins fand eine Generalversammlung des Kreisverbandes statt, mit dem Tagesordnungspunkt „Antrag auf Vereinigung“. Der Ausgang dieser Versammlung ist ungewiß. Bedenkt man jedoch, daß nach diesem Zeitpunkt in keinem Protokoll mehr etwas von zwei Verbänden zu lesen ist, liegt der Schluß nahe, daß auf dieser Versammlung die Wiedervereinigung erreicht wurde und bis heute Bestand hat. Lehrer Siekmann war bis ca. 1920 noch einmal Vorsitzender des vermutlich vereinigten Kreisverbandes. Wer während der Trennung im Stadtverband den Vorsitz führte bleibt unbekannt.